Pressemitteilung

Oktober 2011 l Kreditkarten als Zahlungsmittel für MICE-Leistungen

Gastkommentar von Stefanie Lemmermann l Geschäftsführerin smart and more GmbH l Gastgewerbe Magazin November 2011

 

Jüngst auf dem Weg von einem Geschäftstermin ins Büro, ereilte mich eine
Erfahrung, die mich sehr zum Schmunzeln anregte: Die Tankanzeige leuchtete.
Auf dem Weg lag eine freie Tankstelle. Wie gewohnt, wollte ich mit meiner
Firmen-Kredtikarte zahlen und reichte diese ganz unbedarft dem Kassierer. Ohne
weitere Worte zu finden gestikulierte der Kassierer auf ein großes Schild hinter
ihm: „Zahlung nur bar oder mit EC-Cash“!!! Ich war zunächst überrascht und
dann auch etwas verärgert. Eine sehr ungewohnte Erfahrung. Wo gibt’s denn
noch so etwas: Keine Kaufabwicklung mit einer Plastikkarte!


Klar – beim Discounter, da weiß man das, beim Taxiunternehmen auch - nur
Taxen ordern, die auch Kreditkartenzahlung akzeptieren – aber auf einer
Tankstelle? Aus Käufersicht war ich natürlich sehr verärgert und hatte die eine
oder andere Unannehmlichkeit dadurch. Aus beruflicher Sicht, zolle ich dem
Unternehmen meinen Respekt für Mut und kaufmännische Umsetzung.

 


KREDITKARTEN IM MICE BEREICH AUF DEM VORMARSCH


Kreditkartenakzeptanz ist auch in unserer Branche ein nicht mehr
auszublendendes Thema. Mittlerweile zahlt der Grossteil der Privat- und
Geschäftsreisende seine Hotelleistungen mit Kreditkarte. Als in den frühen
80igern die Kreditkarte in den deutschen Hotels Einzug hielt, existierte noch
erhebliche Skepsis hinsichtlich Kosten und Nutzen. Die Konsolidierung im
Travelmangement in Unternehmen und der zunehmende Bedarf bei
Geschäftsreisenden, hat die Ausbreitung der flächendeckenden Akzeptanz
unterstützt.

 

Mittlerweile bietet diese Zahlform für alle Beteiligen einen Mehrwert.
Entstehende Kosten für die Kreditkartenakzeptanz auf Corporate Raten findet in
der Zwischenzeit Berücksichtigung in der Ratenbildung.

 

Nun rollt eine neue Welle auf unsere Branche zu. DAX-Unternehmen und
Grosskonzerne machen es vor. KMUs werden folgen. Sofern nicht schon
geschehen, konsolidieren diese Unternehmen zur Zeit das Veranstaltungs- und
Eventgeschäft meist auf europäischer oder sogar weltweiter Ebene. In der Regel
- forciert durch das Procurement - ist das vordergründige Ziel, für den
„Beschaffungsschwerpunkt Event“ ein transparentes, prozessoptimiertes und
konzernkonformes Konzept zu schaffen, um letztendlich Einsparungspotentiale zu
generieren. Neben dem Einsatz von Veranstaltungs- und Einkaufrichtlinien ist
auch der Abrechnungsprozess ein Faktor, bei dem erhebliche
Kosteneinsparungen möglich sind.

 


VOR- UND NACHTEILE VON MICE-KREDITKARTEN

 
Die führenden Kreditkartengesellschaften bieten diesbezüglich besondere
Produkte an, die ausschließlich auf den Zahlungsprozess für das MICE-Geschäft
ausgerichtet sind. Für die Firmen sind vor allen Dingen 2 Argumente pro MICEKreditkarte sehr attraktiv.

 

Zum Einen können sich die Firmen Zahlungsziele „erkaufen“, die bei 30 Tagen aufwärts beginnen. Diese Liquiditätssicherung im Veranstaltungsbereich kann in der Summe schnell einen mehrstelligen Millionenbetrag bedeuten. Zum Anderen ist die Kreditorenpflege Zahlungsabwicklung über das MICE-Kreditkartensystem auf nur einen einzigen Kreditor beschränkt – statt auf die Summe aller Lieferanten. Auch dies bedeutet eine erhebliche Kosteneinsparung für die Unternehmen, geht man davon aus, dass eine einzige Kreditorenpflege zwischen EUR 150 – 250 Kosten pro Jahr
verursacht.


Der Nachteil für die Unternehmen ist die statistische Auswertung. Zwar ist eine
Auswertung nach dem Abrechnungsprozess über die IST Kosten möglich, jedoch
bieten die Kreditkartensysteme keine Auswertungen auf Knopfdruck über
Kennzahlen, wie PLAN Werte, Lieferantenlistings, Savings, Detailinformationen,
Budgetdaten, Reaktionszeiten, u. v. m. Dies bedienen weiterhin die
Fachabteilungen oder externe Veranstaltungsagenturen, die entsprechende
Daten darstellen können. Abhängig vom Kreditkarten-Anbieter, ist auch die MICE
Akzeptanz bei der Hotellerie noch nicht flächendeckend gegeben. Die Kosten für
die Kreditkarten-Akzeptanz trägt in der Regel der Dienstleister.

 


DROHENDE KOSTENEXPLOSION BEI KREDITKARTENZAHLUNG

 
Analog der Kreditkarten Einführung in den 80igern, wird die MICE-Kreditkarte
nicht mehr aufzuhalten sein und wahrscheinlich in 3-5 Jahren das gängige
Zahlungsmittel darstellen. Neben den beschriebenen Konzernvorgaben wird die
Entwicklung beschleunigt durch eine sehr aktive und aggressive Einwerbung der
Kreditkartenanbieter. Den potentiellen Kunden wird vor allem vermittelt, dass
diese Dienstleistung nichts kostet, da die Kosten des Disagios durch den
Leistungsträger abgedeckt werden.


Die Hotelerie muss also unbedingt für die Ratenbildung bei Veranstaltungen
vorbereitet sein. In der Regel ist das MICE Geschäft in den Rahmenverträgen
zwischen Kunde und Hotellerie ausgegrenzt. Veranstaltungsanfragen werden
individuell gestellt und seitens der Hotellerie auch individuell quotiert. In
unserem Tagesgeschäft erleben wir seitens der Hotels viele Nachfragen zu Inhalt
und Ablauf der Veranstaltung, aber nur selten die Nachfrage, wie der
Zahlprozess für diesen Kunden aussieht. Dies wird zunehmend ein elementarer
Teil für das Ratenangebot. Die Kunden werden zukünftig die harten und weichen
Faktoren auch im MICE Geschäft diktieren. Ein Hotel ist gut beraten, die harten
Faktoren im RFP-Prozess unbedingt abzufragen und bei der individuellen
Ratenbildung zu berücksichtigen, um keine Überraschungen zu erleben. Eine
Veranstaltung kann leicht ein Umsatzvolumen in 5- oder 6stelliger Höhe
bedeuten. Eine Fehlkalkulation auf das Gesamtvolumen birgt ein enormes Risiko.
Die Erfahrung zeigt, dass die Trends aus dem Geschäftsreise-Bereich über kurz
oder lang auch im MICE-Bereich Einzug halten.

 

Die aktuelle Entwicklung im Flugsegment, für Kreditkartenzahlung eine Gebühr (OPC-Optional Payment Charge) zu erheben, wäre ein sehr guter Ansatz für unsere Branche, sich zu mobilisieren und gemeinschaftlich einen einheitlichen Gebührenkatalog für eine MICE-Kreditkartenakzeptanz umzusetzen. Denn letztendlich ist die Kreditkartenzahlung auch nur eine weitere Dienstleistung, die der Endverbraucher „einkauft“, die vergütet werden will…